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Tierschutz verstehen

„Tierschutz verstehen“

Thema im Mai: Der alte Hund

 

 

Wenn ein Welpe in den ersten Wochen neu in die Familie kommt, stellt er das Leben aller Mitbewohner völlig auf den Kopf. Klar, er ist ein Baby, das seine neue Welt ganz genau erkunden möchte und muss. In der Regel zum ersten Mal in seinem Leben ohne die Wärme seiner Mutter und die Gesellschaft seiner Geschwister. Alles ist fremd, vor allem aber die Menschen, die er erst kennen und vertrauen lernen muss.

Er bekommt einen Namen, vielleicht Maxi.

Das kleine Energiebündel will spielen, toben und viel schmusen. Dabei vergisst er auch manchmal seine Geschäfte im Freien zu erledigen, oder knabbert an dem einen oder anderen Möbelstück herum. Dass diese Dinge den Menschen nicht sehr gefallen, muss der junge Maxi erst lernen, aber mit Zeit, Geduld und einer liebevollen Erziehung macht es ihm sehr schnell Spaß zu gefallen und zu gehorchen.

Schon wenige Monate nach seinem Einzug haben sich meistens alle Mitbewohner an den haarigen Vierbeiner gewöhnt und ihn und seine kleine Marotten lieben gelernt. Maxi ist ein vollwertiges Familienmitglied geworden. Sein Bettchen und sein Napf befinden sich stets an der gewohnten Stelle. Die Gerüche im Haus sind die von den Menschen, die er kennt und die Wege beim Spazierengehen mit Frauchen oder Herrchen sind spannend und abwechslungsreich. Sein Futter ist für seine Rasse passend und schmackhaft und lässt sich gut beißen, und ab und zu bekommt er kleine leckere Belohnungen, die ihm große Freude machen.

 

Das ist ein Beispiel für ein artgerechtes Hundeleben in einer Familie im Idealfall.

Doch der süße kleine Welpe von einst wird irgendwann älter und seine Bedürfnisse ändern sich, ähnlich wie bei den Menschen. Vielleicht sieht und hört Maxi im Alter schlecht, oder er kann nicht mehr so gut laufen. Die Gelenke beginnen vielleicht zu schmerzen, sodass die Spaziergänge nicht mehr so viel Spaß machen und für ihn leichtere und kürzere Wege gegangen werden müssen. Sein Futter kann er vielleicht auch nicht mehr so gut beißen und die Mahlzeiten müssen nun stark zerkleinert oder püriert werden. Und wenn die Blase nicht mehr richtig hält, dann ist es wie zu Beginn, als er noch ein Welpe war und das Aufwischen kehrt wieder im Haushalt ein.

Maxi braucht nun dringend seine gewohnte Umgebung. Fremde Gerüche, fremde Geräusche, fremde Menschen machen ihn nervös. Sicherheit findet er an der Stelle, wo sein Bettchen liegt. Dorthin kann er sich zurückziehen, muss sich nicht zwischen den Füßen der Menschen zurechtfinden. Schmuseeinheiten sind jetzt ganz besonders wichtig, damit weiß er, dass er noch dazu gehört. Alle bemühen sich ihrem geliebten vierbeinigen Familienmitglied einen schönen Lebensabend zu bescheren…

 

Aber stellen Sie sich mal vor, diese Geschichte nimmt eine andere Wendung. Stellen Sie sich vor Maxi wird alt, sieht und hört schlecht, hat eine schwache Blase und schmerzende Gelenke und muss ständig zum Tierarzt. Die Rechnungen häufen sich und niemand hat Zeit sich um den alten „Freund“ zu kümmern. Maxi ist ein anstrengender und teurer Mitbewohner geworden, der nicht mehr so süß und knuddelig ist, wie als junger Hund. Er ist oft allein und sich seinem Schicksal selbst überlassen. Schmuseeinheiten bekommt er nur noch selten, Ungeduld und Ärger spürt er immer häufiger.

 

Maxi kommt schließlich ins Tierheim.

 

Wie lange glauben Sie, wird er brauchen um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen? Wie lange, um die Sicherheit in seinem Bettchen zu finden? Und wer will so einem „Auslaufmodell“ schon ein neues Zuhause geben? Die Realität ist, das Maxi im Tierheim, ohne seine Familie, von der plötzlichen Veränderung traumatisiert irgendwann sterben wird.

 

Im Namen der alten, ausgemusterten Tiere, die in unseren Tierheimen sitzen, möchte ich an alle zukünftigen Tierbesitzer appellieren: Ein Haustier ist ein fühlendes Lebewesen, das artgerecht und altersgerecht gehalten werden möchte. Seine ganze Welt dreht sich um Sie und um das, was Sie ihm bieten. Bitte holen Sie sich nur ein Tier, das Sie sich leisten können, sowohl finanziell wie auch zeit- und räumlich. Alles andere ist Verrat an dem Tier, dessen Leben und somit auch sein Glück in Ihren Händen liegt!

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Nicole Brühl

Präsidentin

Deutscher Tierschutzbund,

Landesverband Bayern e.V.

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