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Mittwoch, 06. Januar 2010 um 03:12 Uhr

Deutscher Tierschutzbund e.V.

Legehennenhaltung in Deutschland zum Jahreswechsel:

Alter Käfig weg, neuer Käfig da

Die tierquälerische Käfighaltung von Legehennen existiert weiter, betont der Deutsche Tierschutzbund zum Jahreswechsel. Die Botschaft der Geflügelindustrie und auch des Bauernverbandes, „die Haltung von Legehennen in engen Käfigen" sei zum Jahreswechsel beendet, sei eine Verbrauchertäuschung, erklärte der Verband heute in Bonn.

 

Zum 1. Januar 2010 sei die Haltung von Legehennen in herkömmlichen Käfigen zwar verboten, aber ein Großteil der alten Systeme - oft auch konventionelle Käfige genannt - sei lediglich durch den neuen Kleingruppenkäfig ersetzt worden. Eigentlich sollten schon vor einem Jahr die alten Käfigsysteme durch die neuen Kleingruppenkäfige ersetzt werden. Aber viele Betreiber haben eine Sonderregel in Anspruch genommen und die herkömmlichen Käfige auch im auslaufenden Jahr 2009 weiter betrieben. Das nimmt Europas größte Tier- und Naturschutzorganisation zum Anlass, alle zuständigen Behörden aufzufordern, den noch zum Jahreswechsel betriebenen alten Käfigbatterien zum 31.12.2009 die Betriebserlaubnis zu entziehen. „Die Eierindustrie hat bis zum letzten Tag Fristen ausgereizt und getrickst. Das ist nicht länger tolerierbar. Die Botschaft der Eierbranche, das Ende der Käfighaltung von Legehennen in Deutschland sei zum Jahreswechsel da, ist eine Verbrauchertäuschung. Es wechselt lediglich das Käfigsystem, für die Tiere ändert sich substanziell nichts. Käfig bleibt Käfig, Tierqual bleibt Tierqual. Deutschland muss käfigfrei werden", erläutert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Weniger Platz zum Leben als ein DIN-A4-Blatt bot die herkömmliche Käfighaltung für Legehennen, die neuen Kleingruppenkäfige ermöglichen den Tieren gerade einmal einen Bierdeckel mehr Platz. In Deutschland wurden im Jahr 2008 nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums noch rund 65 Prozent der Hennen in Käfigen gehalten. Weil die Hersteller der neuen Kleingruppenkäfige Lieferschwierigkeiten hatten, haben Eierproduzenten für die alten Käfigsysteme eine weitere Übergangsfrist bis zum 31.12.2009 erteilt bekommen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte bereits 1999 festgestellt, dass die Verhaltensweisen Scharren, Picken, ungestörte und geschützte Eiablage, Sandbaden und erhöhtes Sitzen auf Stangen Grundbedürfnisse der Hennen sind, die mit Blick auf das Tierschutzgesetz nicht eingeschränkt werden dürfen. Genau diese Grundbedürfnisse sind in den neuen Kleingruppenkäfigen nicht erfüllt, betont Apel.

Haltungssysteme für Legehenne

Freilandhaltung Dies ist die vergleichsweise tiergerechteste landwirtschaftliche Haltung von Legehennen, die der Natur am nächsten kommt. Die Tiere können aus dem Stall in einen Auslauf von mindestens vier Quadratmetern pro Legehenne gelangen. In dieser Haltung können die Hennen ihrem Bedürfnis zu scharren, im Sand zu baden, zu picken und zu laufen am ehesten nachgehen. Der Stall ist wie bei der Bodenhaltung ausgestattet.

Ökologische oder biologische Legehennenhaltung

Wie bei der Freilandhaltung hat jede Legehenne Zugang zu einem Auslauf von vier Quadratmetern. Die Gruppengröße ist grundsätzlich auf 3000 Tiere beschränkt. Im Stall dürfen maximal sechs Legehennen pro Quadratmeter gehalten werden. Die Tiere müssen zu 80 Prozent mit Futter aus ökologischem Anbau gefüttert werden. In der ökologischen Hühnerhaltung werden so Tier- und Verbraucherschutzgesichtspunkte miteinander kombiniert

Bodenhaltung

Grundsätzlich ist dies eine reine Stallhaltung, in der der Boden zu mindestens einem Drittel mit Stroh, Sand oder Torf eingestreut sein muss. Der Rest besteht aus Latten- oder Gitterrosten. Neun Tiere teilen sich einen Quadratmeter Boden. Weil die Tiere nicht ins Freie gelangen können, ist dieses Haltungssystem weniger tiergerecht als die Freilandhaltung. Eine Variante der Bodenhaltung ist die Haltung von Hennen in der Voliere, in der auf mehreren Etagen Sitzstangen, Tränk- und Futtereinrichtungen angebracht sind, so dass die Legehennen frei zwischen den Ebenen wechseln und nahezu den gesamten Stallraum nutzen können. Damit ist auf der Grundfläche eine höhere Besatzdichte von bis zu 18 Tieren pro Quadratmeter Bodenfläche möglich. Die Volierenhaltung ist das vorherrschende Haltungssystem in der Schweiz, in der die Käfighaltung bereits seit 1991 verboten ist.

Käfighaltung

In der bisherigen Käfighaltung wurden vier oder fünf Hennen auf schrägem Drahtgitter zusammengepfercht. Einer Legehenne wurden weniger als die Fläche einer DIN A4-Seite zugestanden. Diese Käfighaltung war bis Ende 2008, mit Ausnahmegenehmigung bis Ende 2009 erlaubt. Legehennen dürfen aber danach in einem anderen Käfigtyp gehalten werden. Diese Form des Käfigs wird oft beschönigend als Kleingruppenhaltung oder auch als Kleinvoliere bezeichnet, unterscheidet sich jedoch nicht grundlegend von herkömmlichen Käfigen. Die neuen Kleingruppen-Käfige bieten der einzelnen Henne nur geringfügig mehr Platz: Statt der bisherigen 550 sind es nun 800 Quadratzentimeter – das entspricht etwa der Größe von eineinhalb DIN A4-Seiten. Zwar sind die Kleingruppen-Käfige mit Sitzstangen, Nest und einem Platz zum Sand baden und Scharren ausgestattet. Diese Einrichtungen können die Tiere aufgrund des Platzmangels aber gar nicht nutzen. Damit treten die gleichen Probleme wie in der bisherigen Käfighaltung auf – die Hennen leiden an Stress, Verhaltensstörungen sowie Verletzungen.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 06. Januar 2010 um 04:35 Uhr
 
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