Start Landwirtschaft Rechte für Mast- und Zuchtkaninchen
Rechte für Mast- und Zuchtkaninchen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 26. November 2009 um 10:03 Uhr
 Das Leben von Mast- und Zuchtkaninchen hat nur wenig mit der Idylle von munter im  Gras hoppelnden Tieren zu tun. Sie werden auf engstem Raum eingepfercht, nicht artgerecht gefüttert, haben keine Möglichkeiten sich ausreichend zu bewegen. Die Häsinnen werden als Gebärmaschinen missbraucht. Trotzdem lassen Haltebindungen mit Minimalanforderungen auf sich warten. 

 

Schweine-, Rind- und Geflügelfleischskandale sorgen dafür, dass viele Verbraucher auf Mastkaninchen zurückgreifen. Jedes Jahr werden rund 30 Millionen Kaninchen in Deutschland geschlachtet; hinzu kommen Importe – vor allem aus China, aber auch aus Polen, Ungarn, Tschechien und Frankreich.

 

Das Leben von Mast- und Zuchtkaninchen hat mit der Idylle von frei hoppelnden Tieren nichts zu tun:

 

  • Die typische Haltung der Mastkaninchen ist mit der von Legehennen in Käfigbatterien vergleichbar. 2 bis 8 Tiere sind in von allen Seiten einsehbaren unstrukturierten Drahtgitterkäfigen eingepfercht, teilweise in mehreren Etagen übereinander, in denen sie aller artgerechten Verhaltensweisen beraubt sind. „Hoppeln“, und „Männchen machen“ sind den bewegungsfreudigen Tieren nicht möglich. Die Drahtgitterböden und der zu geringe Platz fügen den Kaninchen enorme Schmerzen und Verhaltensstörungen zu. So kann es beispielsweise zu Gitternagen und schmerzhaften Pfotengeschwüren kommen. Im Alter von 3 bis 4 Monaten werden sie mit einem Mastgewicht von 2,8 bis 3,0 Kilogramm geschlachtet. Das Flächenangebot pro Tier laut GGE: 600 Quadratzentimeter, also ein Din-A-4-Blatt.

  • Zuchtkaninchen werden in kleinen Drahtkäfigen (60 x 40 Zentimeter) mit vorgelagerten Wurfkisten eingezwängt. Schon eine Woche nach der Geburt der Jungtiere werden sie wieder von neuem gedeckt. Im Laufe eines Jahres wird somit jedes Weibchen bis zu 10 mal besamt und wirft durchschnittlich 7 bis 10 mal. Die „Nutzungsdauer“ der Häsinnen ist sehr kurz; häufig werden alle Weibchen schon im ersten Jahr ersetzt. Die Mortalität und Morbidität bei Zuchtkaninchen ist aufgrund von Darm- und Atemwegserkrankungen sowie von Reproduktionsproblemen deutlich höher als bei anderen Nutztierarten. Die Einzelhaltung der Zuchtkaninchen verhindert die Aufnahme von Sozialkontakten. Auch haben Kaninchen als Beutetiere das Bedürfnis, sich zurückziehen und Schutz suchen zu können. Bei allseitig einsehbaren Käfigen wird ihnen diese Möglichkeit genommen

  • Als Futter erhalten die Kaninchen Futterpellets und nur in seltenen Fällen Heu oder Stroh. Für eine ausgewogene Ernährung und eine gute Verdauung sollte aber Heu das Grundnahrungsmittel sein. Die faserarme Fütterung mit Pellets führt zu fütterungsbedingten Erkrankungen und fördert den Einsatz von Chemotherapeutika. Die nicht tiergerechte Haltung führt zudem zu Verhaltensstörungen (Schwanzbeißen, Gitternagen, Kreislaufen) und Technopathien (Sohlengeschwüre, Wirbelsäulenverkrümmungen).

 

Bisher gibt es keine rechtlichen Bestimmungen zur Haltung von Kaninchen. Der Europarat arbeitet seit 1998 an einer Empfehlung, bisher ohne Abschluss. Auch auf Bundesebene sind keine rechtlichen Vorgaben geplant. Als Bilder über tierquälerische Massenkaninchenhaltung die Verbraucher verunsicherten und große Lebensmittelketten kein Kaninchenfleisch mehr verkauften, erstellte im Mai 2007 die Gütegemeinschaft Ernährung (GGE) auf Druck des Handels einen Kriterienkatalog zur Kaninchenhaltung: Dieser Katalog ist aus Tierschutzsicht ungenügend, auch wenn kleine Verbesserungen (Beschäftigungsmaterial, Heu) vorgeschrieben sind.

 

Unsere Forderungen aus Tierschutzsicht

 

Um eine einigermaßen tiergerechte Haltung für Mastkaninchen sicherzustellen, fordern wir, sofort auf nationaler Ebene (bis es EU-Regelungen gibt) rechtlich verbindliche Vorgaben an die Kaninchenhaltung zu schaffen, die sicherstellen, dass

 

  • die essentiellen Verhaltensbedürfnisse wie Springen, Laufen, sich zurückziehen und Sozialkontakte erfüllt werden,

  • den Tieren ausreichend Auslauf und Zugang zu Tageslicht gewährt wird,

  • als Nahrung genügend Raufutter zur Verfügung steht,

  • die Kaninchen in einer kombinierten Stall-Auslauf-Haltung oder einer reinen Freilandhaltung mit Witterungsschutz untergebracht werden. Aus diesem Grund sind Käfighaltung, Einzelhaltung und Haltung auf Drahtböden generell abzulehnen.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 27. November 2009 um 02:46 Uhr
 
Copyright © 2017 Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.