Presse

Verbotene Kreaturen Muntjak, Nasenbär und Co.

Pressemitteilung der Auffangstation für Reptilien München

Verbotene Kreaturen

Muntjak, Nasenbär und Co.

2017 trat die EU Verordnung (EU) 1143/2014 mit Veröffentlichung der Artenliste in Kraft. Ihr Ziel: Tier- und Pflanzenarten von EU-weiter Bedeutung, die Probleme in der Natur verursachen (können) und sich invasiv ausbreiten (können), einzudämmen. Neben Aufspüren und Beseitigung in freier Natur durch vermehrte Jagd und Bekämpfung sowie engmaschige Überwachungsmaßnahmen sind besonders in Menschenobhut gehaltene Tiere und Pflanzen betroffen. Für sie gilt: striktes Haltungs- und Besitzverbot, Zucht- und Aufzuchtverbot, Transportverbot und Nachstellverbot. Die Bundesregierung hat die Vorgaben der EU im Bundesnaturschutzgesetz 1:1 umgesetzt, auf eine Veröffentlichung der Managementmaßnahmen für die betroffenen Arten wird derzeit noch gewartet.

Nicht zuletzt das Engagement der Auffangstation für Reptilien hat augenscheinlich dazu beigetragen, dass für den in Deutschland fast flächendeckend frei lebenden Waschbären und die Buchstabenschmuckschildkröten moderate Managementmaßnahmen getroffen werden. Diese erlauben zumindest die Aufnahme in Tierheime und – unter strengen Auflagen – sogar eine Vermittlungsmöglichkeit. Leider warten einige Bundesländer die Regelungen der LANA- Konferenz (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung) zum Management nicht ab, sondern etablieren eigene, teils tierschutzwidrige, aktionistische und auch sehr uneinheitliche, Länder-Regelungen. Der Freistaat Bayern geht hier jedoch mit gutem Beispiel voran und wartet die Managementpläne der LANA ab.

Bereits in der Vergangenheit leistete die Auffangstation unter Anteilnahme der Medien zivilen Ungehorsam und nahm und nimmt auch aktuell Waschbären (semi-legal) auf. Und so können wir tatsächlich bezüglich der geplanten Vorgaben der Managementpläne für den Waschbären Fortschritte verzeichnen. Schon zum zweiten Mal wurden Waschbären aus unserer Pflege mit behördlicher Genehmigung vermittelt. Vier unserer Tiere leben jetzt beispielsweise im Tierpark München Hellabrunn – ganz legal.

Nun müssen wir erzwungenermaßen einen Schritt weitergehen: Aus Tierschutzgründen haben wir vor einigen Tagen einen Muntjak-Hirsch aufgenommen.

Ein Nasenbär wird folgen. Für beide Arten sind keine Ausnahmeregelungen geplant. Sie sind also nach wie vor streng verboten und dürfen zwar als Altbestand weiter gehalten werden, ein Neubesitz, wie in unserem Fall, ist aber dezidiert verboten. Doch die Auffangstation ist primär dem Tierschutz verpflichtet und nimmt diese Tiere auf, um sich mit allen legalen Mitteln einer gegebenenfalls anstehenden Tötung dieser Tiere zu widersetzen. 

„In diesem Fall geht es mir als Leiter der Auffangstation natürlich um die Unversehrtheit dieser Einzeltiere. Doch als Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Bayern des Deutschen Tierschutzbundes ist es mir darüber hinaus ein dringendes, übergeordnetes Anliegen, dass nicht zu Ende gedachte EU-Verordnungen mit ihrer Umsetzung in nationales Recht NICHT dem in unserer Verfassung verankerten Tierschutz zuwiderlaufen. 

Es muss auch in Zukunft sichergestellt werden, dass Tierheime im weitesten Sinne ihre Arbeit machen können und darin nicht gesetzlich behindert werden. Denn ALLE in Menschenobhut gepflegten Tiere bedürfen unseres Schutzes“, so Dr. Markus Baur.

Und bis dahin praktizieren wir weiterhin zivilen Ungehorsam im Sinne Mahatma Gandhis: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“

 

Dr. Markus Baur

1. Vorsitzender der Auffangstation für Reptilien, München e.V.

Leiter der Auffangstation für Reptilien, München

 

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